Kartenpro-
jektionen
Jede Karte lügt ein bisschen. Die Frage ist: worüber? Sechs Projektionen im Vergleich — live, interaktiv, mit der D3.js-Kugel darunter.
Sechs Arten, die Kugel flachzudrücken
Hover auf jede Karte — Grönland vs. Afrika wird eingeblendet. Die Zahlen sprechen für sich.
Verzerrt Flächen dramatisch in Polnähe. Grönland wirkt so groß wie Afrika — in Wirklichkeit ist Afrika 14× größer. Winkel stimmen exakt.
Kompromiss: weder flächentreu noch winkeltreu. Verzerrt beides ein wenig, nirgendwo dramatisch. 1988–1998 offizielle National Geographic Projektion.
Minimiert alle drei Verzerrungen gleichzeitig: Fläche, Winkel, Abstände. Oswald Winkel, 1921. Gilt als die wissenschaftlich ausgewogenste Weltkarte.
Jüngste der sechs Projektionen. Flächentreu wie Mollweide, aber mit gefälligeren Kurven. Entworfen um eine ästhetischere Alternative zur Peters-Projektion zu sein.
Optisch am angenehmsten. Kontinentformen wirken intuitiv richtig. Polgegenden sanft angedeutet statt verzerrt. Tom Patterson, 2007, ursprünglich für Software-Rendering entwickelt.
Blick von unendlicher Entfernung auf die Kugel. Zeigt wie die Erde aus dem Weltall aussieht. Ränder stark komprimiert, Mitte fast richtig. Drehen per Maus/Touch.
Grönland vs. Afrika
Das bekannteste Beispiel für Projektions-Verzerrung — sichtbar gemacht.
Mercator war für Navigation gebaut — Winkel stimmen, damit ein Kompasskurs eine gerade Linie ergibt. Für diesen Zweck ist die Größen-Lüge in Kauf genommen.
Historische Karten
Bevor Projektionen mathematisch berechnet wurden — wie Menschen die Welt sahen, oder sehen wollten.
Das Original. Gerardus Mercator druckte es auf 18 Blättern. Gedacht für Seefahrer: jeder Kompasskurs ist eine gerade Linie. Verbreitete sich weltweit in einer Epoche, in der Seekarten Leben bedeuteten.
Abraham Ortelius — erster moderner Weltatlas. 70 Karten, lateinischer Text. Erschien in Antwerpen, wurde 42 Mal neu aufgelegt. Zeigte erstmals Nordamerika mit erkennbarer Form.
Keine Projektion hat länger dominiert. Für 400 Jahre der Schulatlas-Standard. Google Maps, Bing Maps, OpenStreetMap — alle benutzten Mercator bis in die 2010er Jahre. Heute ersetzt durch Web Mercator (EPSG:3857).
Ein Reisender durchbricht die Himmelssphäre. Aus „L'Atmosphère" von Camille Flammarion — eines der meistkopierten Bilder der Wissenschaftsgeschichte. Zeigt das Weltbild des Mittelalters: die Erde als Kuppel mit einem Ende.
Oswald Winkel wollte alle drei Verzerrungen minimieren — Fläche, Winkel, Abstände. "Tripel" bedeutet genau das. 1998 von National Geographic als neue Weltkarte gewählt, nachdem 10 Jahre Robinson gezeigt wurde.
Arthur Robinson entwarf sie im Auftrag von Rand McNally. Nicht durch Formeln, sondern durch Tabellen — er wählte Koordinaten so, dass die Karte "richtig aussieht". National Geographic nutzte sie 10 Jahre (1988–1998).