Design Lab · Typografie · High-Contrast Serif

Playfair Display

Eine Antiqua für das digitale Zeitalter — inspiriert von den Hochkontrast-Satzschriften des 18. Jahrhunderts, gemacht für Retina-Displays und Zeitschriften-Titelseiten.

"The best typography is invisible — but it leaves a feeling. Playfair leaves a feeling of authority."

Claus Eggers Sørensen · Playfair Display · 2011

01 · Herkunft

Geschichte

Playfair Display erschien 2011 auf Google Fonts — eine digitale Neuerfindung der klassischen Hochkontrast-Antiqua.

Claus Eggers Sørensen veröffentlichte Playfair Display 2011 unter der Open Font License. Die Schrift ist inspiriert von den Übergangsschriften des späten 18. Jahrhunderts — insbesondere von der Arbeit des schottischen Typografen und Verlegers John Baskerville (1706–1775), der als Wegbereiter des Hochkontrast-Stils gilt.

Der Name ist eine Hommage an John Playfair (1748–1819), schottischer Mathematiker und Wissenschaftler — eine Verbindung, die die Schrift in die schottische Aufklärungskultur einbettet. Playfair Display wurde für das digitale Display konzipiert, nicht für Buchdruck — ein entscheidender Unterschied in den Proportionen und der Stärke der Haarlinien.

Kontext Playfair Display ist keine historische Rekonstruktion — sie ist eine moderne Interpretation des klassischen Stils für Bildschirme. Das macht sie zugänglicher als ihre Vorbilder, aber weniger einzigartig in spezialisierten Kontexten.
Bewertung:

02 · Designer

Claus Eggers Sørensen

Dänischer Schriftdesigner, spezialisiert auf Antiqua-Schriften für das digitale Zeitalter.

Claus Eggers Sørensen ist ein dänischer Schriftdesigner, der mehrere Schriften für Google Fonts entwickelt hat. Neben Playfair Display und Playfair Display SC gehören EB Garamond (ein Revival der Garamond aus dem 16. Jahrhundert) zu seinen bekanntesten Arbeiten.

Sørensens Arbeitsprinzip: historische Schriften nicht kopieren, sondern ihre Essenz für den digitalen Kontext neu formulieren. Playfair Display ist das deutlichste Beispiel dafür: Der extreme Kontrast zwischen Haar- und Grundstrichen, der im Buchdruck elegant wirkt, würde auf niedrig auflösenden Bildschirmen verschwinden. Sørensen hat die Haarlinien so gewichtet, dass sie auf Retina und Nicht-Retina gleichermaßen sichtbar bleiben.

Kontext Sørensens Entscheidung, die Haarlinien zu verstärken, ist der Grund warum Playfair Display auf Bildschirmen funktioniert, wo Bodoni oder Didot versagen. Ein handwerklich entscheidender Unterschied.
Bewertung:

03 · Merkmal

High Contrast

Das definierendes Merkmal: der extreme Unterschied zwischen dicksten und dünnsten Strichen. Das ist nicht Dekoration — das ist Charakter.

Strich-Kontrast — sichtbar gemacht

Oo
Grundstrich
~8px bei 96px
Haarlinie
~1px bei 96px
Kontrast-Verhältnis ca. 8:1 — deutlich höher als bei Garamond (3:1) oder Georgia (2.5:1)

Der Hochkontrast ist keine Neuheit — er stammt aus der Drucktradition des 18. Jahrhunderts. Als die Drucktechnik präziser wurde, konnten Stempelschneider immer feinere Haarlinien schneiden. Das Ergebnis: Schriften wie Baskerville, Didot, Bodoni mit extremen Kontrastverhältnissen.

Auf Papier, unter Licht, funktioniert das wunderbar. Auf Bildschirmen ist es gefährlich: Bei zu geringer Auflösung verschwinden die Haarlinien — die Schrift bricht buchstäblich auseinander. Playfair Display vermeidet das durch verstärkte Haarlinien bei gleichzeitig beibehaltener Eleganz.

Kontext High Contrast bei Playfair Display: immer groß verwenden. Unter 18px lassen sich die Haarlinien nicht mehr unterscheiden. Die Schrift ist für Display gebaut — dafür sollte man sie auch nutzen.
Bewertung:

04 · Charakter

Display-Charakter

Playfair Display ist keine Schrift für alles. Sie ist eine Schrift für Momente — wenn ein Titel Autorität ausstrahlen soll.

Display — der Moment der Wirkung

Architektur
des Klangs
Eine Reise durch die Akustik des 20. Jahrhunderts

Der Display-Charakter von Playfair Display ist ihre stärkste Eigenschaft und ihre größte Einschränkung gleichzeitig. Im Großen ist sie unvergleichlich — die Haarlinien erzeugen eine Spannung zwischen leicht und schwer, die kein anderer Schrifttypus reproduzieren kann. Das ist das Erbe der Kupferstich-Typografen des 18. Jahrhunderts.

Was Playfair Display kommuniziert: Autorität, Eleganz, Ernsthaftigkeit, Geschichte. Was sie nicht kommuniziert: Technik, Spielfreude, Improvisation, Jugendlichkeit. Diese Zuschreibungen sind real — Leser reagieren auf sie, ob bewusst oder nicht.

Kontext Playfair Display für editoriale Seiten, Leselisten, Reports, Titelseiten, Design-Lab-Inhalte. Nicht für System-UI, Dashboards oder technische Interfaces — dort ist die Autorität fehl am Platz.
Bewertung:

05 · Specimen

Das Alphabet

Playfair Display in Regular — alle 26 Buchstaben, der Kontrast auf einen Blick.

Alphabet — Playfair Display Regular 400

ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZ
abcdefghijklmnopqrstuvwxyz
0123456789 !&?.,;:–—

Das Alphabet zeigt den Kontrast-Charakter in jedem Buchstaben: das O mit seinen breiten Kurven und feinen Übergängen, das T mit dem massiven Grundstrich und den hauchdünnen Querstrichen, das g mit dem geschwungenen Ohr — ein Detail, das von historischen Schriften direkt übernommen wurde.

Die Großbuchstaben haben klassische Proportionen: breites M, schmales E, das R mit dem charakteristischen gebogenen Bein. Diese Proportionen stammen aus der römischen Inschriftentradition, die über die Renaissance in den Buchdruck übernommen wurde.

Kontext Jeder Buchstabe in Playfair Display ist eine kleine Skulptur. Das macht die Schrift in großen Graden faszinierend — und in kleinen Graden schwer lesbar. Die Größe entscheidet alles.
Bewertung:

06 · Großbuchstaben

Versalien

Die Versalien von Playfair Display sind der Gipfelpunkt des Hochkontrast-Designs — jede Zeile eine Titelseite.

Versalien — Regular / Bold / Black

THE DISPATCHER
THE DISPATCHER
THE DISPATCHER

Die Versalien in Playfair Display haben eine Besonderheit: sie sind klassisch proportioniert nach dem Vorbild der römischen Inschriften. Das bedeutet, dass das O breiter ist als das N, das M breiter als das H, und das I deutlich schmaler als alle anderen. Diese Proportionen wirken im Wort sehr natürlich — anders als geometrische Grotesken, wo alle Buchstaben ähnliche Breiten haben.

Der Effekt bei großem Letter-Spacing: Majuskeln-Text in Playfair Display ist von einer Eleganz, die kaum eine andere Schrift erreicht. Jeder Buchstabe hat genug Raum um seine eigene Form zu zeigen.

Kontext Versalien in Playfair Display mit letter-spacing 0.05em–0.1em: ein typografisches Instrument für Kapitelüberschriften, Seitentitel, Kolophone. Nie für längere Texte — nur für einzelne Worte oder kurze Zeilen.
Bewertung:

07 · Kleinbuchstaben

Gemeine

Die Gemeine von Playfair Display sind das Herz der Schrift — geschwungen, präzise, mit einem Hauch Kalligraphie.

Gemeine — Regular / Italic

abcdefg
abcdefg

Die Gemeine zeigen einige charakteristische Details: das a ist zweistöckig — ein geschlossener Bauch mit einem Strich oben. Das g hat ein geschwungenes "Ohr" das von historischen Manuskriptschriften abstammt. Das e hat eine leicht schräggestellte Öffnung — ein Hauch Kalligraphie in der ansonsten konstruierten Schrift.

Diese Details machen die Gemeine menschlicher als geometrische Grotesken. Sie erzählen von einer Hand, die einen Federkiel gehalten hat — auch wenn Playfair Display vollständig am Computer gezeichnet wurde. Das ist das Paradox der guten Schriftgestaltung: das Digitale, das das Handgemachte übersetzt.

Kontext Das zweistöckige a und das geschwungene g-Ohr sind Lesbarkeits-Features, keine Schwächen. Die Gemeine von Playfair Display sind für mittlere bis große Grade (18–48px) optimal.
Bewertung:

08 · Kapitälchen

Small Caps

Playfair Display SC — der seltenste Luxus in der digitalen Typografie: echte Kapitälchen, nicht skalierte Versalien.

Playfair Display SC — echte Kapitälchen

Das Dispatcher System
Kapitel I — Watson & die Sanchos
Normale Versalien (gefälscht)
DAS DISPATCHER SYSTEM
Echte Small Caps (Playfair SC)
Das Dispatcher System

Echte Small Caps sind Buchstaben die in der richtigen Strichstärke für ihren Grad gezeichnet wurden — nicht einfach verkleinerte Versalien. Verkleinerte Versalien sind typografischer Schwindel: Sie sehen dünner aus als der umgebende Text und stören das visuelle Gleichgewicht.

Playfair Display SC ist eine separate Schriftfamilie — echte Kapitälchen, entworfen für den Einsatz in Headlines und Subtiteln, wo man die Eleganz der Antiqua mit der Ruhe von Kleinbuchstaben kombinieren will. Für Kapitelbezeichnungen, Kolophone, Autorenzeilen ist das Format erste Wahl.

Kontext Playfair Display SC für Kapitelüberschriften und Kolophone. Immer in Kombination mit Playfair Display oder Lato — nie als Fließtext. Small Caps sind Akzente, keine Grundschrift.
Bewertung:

09 · Gewichts-Skala

Alle Schnitte

Von Regular 400 bis Black 900 — und eine Italic, die eine eigenständige Persönlichkeit hat.

Gewichts-Skala — "Design" in 400–900

400Design und Typografie
500Design und Typografie
600Design und Typografie
700Design und Typografie
800Design und Typografie
900Design und Typografie

Playfair Display hat sechs Gewichte (400–900) plus Italic-Varianten. Die Sprünge zwischen den Gewichten sind bei einer Hochkontrast-Antiqua besonders dramatisch — weil die Grundstriche bei höheren Gewichten stark zunehmen, während die Haarlinien relativ dünn bleiben. Das erzeugt bei Black 900 einen fast schwarzen Kontrast-Block.

Im Vergleich zu Jost* hat Playfair Display weniger Gewichte — keine Hairline, kein Thin. Das ist richtig so: eine Hochkontrast-Antiqua mit Hairline-Gewicht würde visuell zerbrechen. Der Strich-Kontrast der Schrift ist das Hairline — die Schrift braucht kein zusätzliches Gewicht dafür.

Kontext Empfehlung: Regular 400 für Fließtext, SemiBold 600 für Subheadings, Bold 700 für Hauptüberschriften, Black 900 nur für Hero-Momente mit einer einzigen Zeile.
Bewertung:

10 · Grundschnitt

Regular

Regular 400 — der Grundschnitt, der die Schrift definiert. Elegant, offen, mit dem perfekten Kontrast für große Bildschirm-Grade.

Regular 400 — Headline-Specimen

Worte tragen mehr als
ihre Bedeutung.
Playfair Display Regular · 48px · letter-spacing −0.01em

Regular 400 ist der Schnitt, mit dem die meisten Nutzer Playfair Display kennenlernen — weil er in Google Fonts als Default geladen wird. Er ist der ausgewogenste der sechs Gewichte: breit genug für Lesbarkeit, schlank genug um die Haarlinien sichtbar zu halten.

Im Einsatz: Immer mit negativem oder neutralem Letter-Spacing. Positive Letter-Spacing (gesperrt) funktioniert bei Playfair Display nur für sehr kurze Texte in Majuskeln — im normalen Fließtext zerstört es den Rhythmus, den die Serifen aufbauen.

Kontext Regular 400 für Überschriften (24–64px), Kicker-Texte, Pull-Quotes. Niemals für Interface-Labels oder Buttons — dort fehlt der Systemcharakter.
Bewertung:

11 · Kursiv

Italic

Die Italic von Playfair Display ist keine Oblique — sie ist eine eigenständige Kursive mit eigenen Formen und eigener Persönlichkeit.

Italic — Regular / Bold / Black

Stimmung
Stimmung
Stimmung

Die Italic ist das Herzstück von Playfair Display — und der Hauptgrund, sie statt Georgia zu wählen. Wo Georgia eine mechanische Oblique hat (geneigt, aber nicht kursiv gezeichnet), hat Playfair Display eine echte Kursive: geschwungenere Buchstabenformen, andere Proportionen, ein eigener Rhythmus.

Besonders das kursive f mit seiner nach unten geschwungenen Unterlänge, das kursive v und w mit ihren geschwungenen Schäften — diese Buchstaben haben in der Kursiven ein anderes Leben als in der Aufrechten. Das macht Italic-Hervorhebungen in Fließtexten mit Playfair Display zu echten Gesten.

Kontext Italic in Playfair Display für Pull-Quotes, Hervorhebungen in Langtext, Zitate. Die Italic-Formen sind ausdrucksstark genug um eigenständig eingesetzt zu werden — nicht nur als Hervorhebung.
Bewertung:

12 · Schwerstes Gewicht

Black

Black 900 — der Moment, wenn Playfair Display aufhört elegant zu sein und anfängt zu schlagen.

Black 900 — Impact-Demo

Jetzt.
Jetzt.

Black 900 in Playfair Display ist ein Extremgewicht — und es zeigt, was Hochkontrast-Antiqua bei maximaler Strichstärke tun: Die Grundstriche werden massiv, die Haarlinien bleiben fein. Das erzeugt einen dramatischen Kontrast innerhalb jedes einzelnen Buchstabens — ein Effekt, den geometrische Grotesken in diesem Gewicht nie erreichen können.

Das Black-Italic ist noch dramatischer: Die geschwungenen Kursiv-Formen bekommen durch das extreme Gewicht eine fast expressionistische Qualität. Ein Wort in Black Italic wirkt wie ein handgeschriebenes Plakat.

Kontext Black 900 extrem sparsam — maximal eine oder zwei Worte auf der ganzen Seite. Mehr zerstört die Wirkung. Ein einziges Wort in Black auf weißem Hintergrund: unvergesslich.
Bewertung:

13 · Tradition

Bodoni-Vergleich

Bodoni ist der Urahn des Hochkontrast-Stils. Playfair Display erbt von ihm — aber modernisiert ihn für den Bildschirm.

Bodoni (1798)

Extrem dünne Haarlinien — verschwinden auf Screens

Für Hochglanz-Druck optimiert

Lizenzpflichtig in guter Qualität

Kalt, modisch, zeitgebunden

Schlechte Screen-Hinting-Qualität

Playfair Display (2011)

Verstärkte Haarlinien — sichtbar auf allen Screens

Für Retina und Non-Retina optimiert

Kostenlos (OFL-Lizenz)

Warm, editorisch, zeitlos wirksam

Screen-optimiertes Hinting

Der entscheidende Unterschied: Bodoni wurde für Kupferstich und Hochglanzpapier entworfen. Die ultra-dünnen Haarlinien funktionieren nur, wenn der Druck perfekt ist. Auf Bildschirmen verschwinden sie — besonders auf Non-Retina-Displays — und die Schrift verliert ihren Charakter vollständig.

Playfair Display nimmt Bodonische Proportionen und Kontrast-Logik und modifiziert die Haarlinien so, dass sie auf Bildschirmen sichtbar bleiben. Das ist kein Kompromiss — das ist die richtige Entscheidung für das Medium. Eine Schrift muss für ihr Medium gemacht sein.

Kontext Für digitale Anwendungen: Playfair Display. Für Hochglanz-Druck mit perfekter Pressung: Bodoni. Nicht austauschbar — beide sind für ihr Medium richtig.
Bewertung:

14 · Anwendung

Editorial

Das natürliche Habitat von Playfair Display: Magazin-Layouts, Langform-Artikel, kuratierte Leselisten.

Editorial Layout — Playfair Display + Lato

Ausgabe 12 · Typografie
Die Schrift ist das erste
Wort das du hörst
Über die Stimmwirkung von Typografie — und warum Georgia immer nach Zeitung klingt.
Manchmal liest man eine Seite, ohne die Schrift zu bemerken. Aber man fühlt sie. Eine serifenlose Groteske fühlt sich anders an als eine Hochkontrast-Antiqua — noch bevor man ein einziges Wort gelesen hat.

Das editoriale Layout ist der Kontext, für den Playfair Display am stärksten ist. Die Kombination aus Serif-Überschriften und Sans-Serif-Fließtext (oder umgekehrt) ist ein Klassiker der Zeitschriftengestaltung — Playfair Display übernimmt die emotionale Einstimmung, eine neutrale Groteske den eigentlichen Text.

Das Muster: Playfair für Titel und Kicker, Lato oder eine andere leichte Groteske für Body und Labels. Diese Arbeitsteilung ist klug: Playfair Display ist zu charakterstark für langen Fließtext, aber genau richtig für die ersten drei Sekunden.

Kontext Für Design-Lab-Seiten, Lektüre-Seiten, Berichte, Briefings: Playfair Display als Titel- und Kicker-Schrift, Lato oder System-UI für den Rest. Das ist das Muster auf dieser Seite selbst.
Bewertung:

15 · Layout-Muster

Zeitschriften-Layout

Die Dreier-Struktur klassischer Zeitschriften: Nummer/Kategorie, Titel, Kicker — drei Ebenen, drei Gewichte, eine Stimme.

Zeitschriften-Dreier — Demo

No. 47 · Klang & Architektur
Der Raum
singt.
Wie Architekten aus dem 20. Jahrhundert entdeckten, dass jeder Raum eine Stimme hat — und wie sie sie zu komponieren lernten.

Die klassische Zeitschriften-Struktur: Kategorie/Nummer in Light Sans, Titel in Heavy Serif, Kicker in Regular Serif Italic. Diese drei Ebenen decken drei Informationstypen ab: Einordnung (wo bin ich), Thema (worum geht es), und Versprechen (warum soll ich weiterlesen).

Playfair Display dominiert in dieser Struktur die mittlere Ebene — den Titel. Das ist richtig: Der Titel ist der emotionale Kern, und Playfair Display ist das emotionale Instrument. Die Groteske rahmt ein, die Italic lädt ein.

Kontext Dieses drei-Ebenen-Muster ist übertragbar auf jede redaktionelle Seite im Dispatcher. Section-Eyebrow in Lato Light, Section-Title in Playfair Bold, Section-Kicker in Playfair Regular Italic.
Bewertung:

16 · Langtext

Fließtext

Playfair Display als Fließtextschrift — wo sie gut funktioniert, wo sie versagt, und was die Alternative ist.

Fließtext — Regular 400, 17px, 1.8 line-height

Jede Schrift hat ihren Sweet Spot. Für Playfair Display liegt er zwischen 24 und 64px — groß genug damit die Haarlinien ihre Wirkung entfalten können, klein genug damit ein Wort noch ein Wort ist und keine Skulptur.

In kleinen Graden, wie hier in 17px, ist die Schrift noch lesbar — aber die Eleganz ist gedämpft. Die Kursive hilft: Sie bringt eine Wärme in den Text, die der Regular alleine nicht hat. Für kurze Fließtexte bis 200 Wörter funktioniert Playfair Display gut.

Playfair Display als Fließtextschrift: möglich, aber mit Einschränkungen. Die Hochkontrast-Charakteristik erzeugt über längere Texte eine gewisse Unruhe — das Auge springt zwischen dick und dünn. Das ist bei einer Schrift wie Georgia oder Palatino, die weniger Kontrast haben, nicht so ausgeprägt.

Empfehlung: Playfair Display für Fließtexte bis ca. 150–200 Wörter. Für längere Texte entweder einen anderen Serif nehmen (Georgia, Lora, Source Serif) oder Lato als Fließtext-Partner und Playfair Display nur für die Überschriften.

Kontext Playfair Display ist eine Display-Schrift. Sie ist für Momente gebaut, nicht für Strecken. Das ist keine Schwäche — es ist eine Stärke, wenn man sie akzeptiert.
Bewertung:

17 · Font Pairing

Paarungen

Playfair Display braucht einen Partner, der zurücktritt. Die Autorität der Schrift duldet keine Konkurrenz.

Funktioniert hervorragend: Playfair Display mit Lato, Source Sans, Inter oder einer anderen neutralen Groteske. Die Groteske ist der Hintergrund — Playfair Display tritt hervor. Diese Kombination ist das Standard-Muster für Editorial-Webseiten, Langform-Journalismus, kuratierte Plattformen.

Funktioniert nicht: Playfair Display mit Futura, Jost* oder anderen stark charakterisierten Grotesken. Beide kämpfen. Ebenso problematisch: Playfair Display mit einem anderen schweren Serif (Garamond, Baskerville) — zu ähnlich, kein Kontrast, keine Hierarchie.

Überraschend gut: Playfair Display mit einem Monospace-Font für Code-Snippets oder technische Einschübe. Der Kontrast zwischen der eleganten Antiqua und der technischen Monospace schafft sofort ein Schicht-Gefühl.

Kontext Regel: Der Partner muss unsichtbar sein. Wenn man die Paarung als "zwei Schriften" wahrnimmt, ist sie falsch. Eine gute Paarung sieht aus wie ein System.
Bewertung:

18 · Kombination

Playfair + Grotesk

Das klassische Duo: Serif führt emotional, Grotesk trägt funktional. Für alles was lesen und atmen soll.

Playfair Display + Lato — Live-Demo

Design Lab · Typografie
Schrift als Haltung
Wie man Typografie als Ausdruck versteht, nicht als Dekoration.
Eine Schrift ist keine neutrale Hülle. Sie trägt Assoziationen, Geschichte, Temperatur. Wer Playfair Display wählt, wählt Autorität und Eleganz — ob er das will oder nicht.

Playfair Display und Lato ist das Paar, das auf dieser Seite selbst verwendet wird. Lato (von Łukasz Dziedzic, 2010) ist eine humanistische Groteske — warm, offen, mit leicht abgerundeten Details, die sie angenehmer machen als neutrale Grotesken wie Helvetica. Sie ist damit ideal für diesen Kontext: technisch genug für UI, warm genug um nicht zu kalt zu wirken.

Die Arbeitsteilung ist klar: Playfair Display für alle emotionalen Momente (Titel, Kicker, Pull-Quotes), Lato für alle informativen Momente (Fließtext, Labels, Metadata). Beide respektieren ihre Domäne.

Kontext Playfair Display + Lato: kostenlos, screen-optimiert, bewährt in tausenden editorialen Projekten. Eine der sichersten Typografie-Entscheidungen im digitalen Editorial-Design.
Bewertung:

19 · Pull-Quote

Großes Zitat

Der Pull-Quote ist Playfair Displays stärkstes Format — eine einzige kursive Zeile, die den Rest der Seite übertönt.

Pull-Quote — Playfair Display Italic

"Ein Interface ist erst fertig, wenn man vergessen hat, dass man ein Interface benutzt."
Dispatcher Design Lab · 2026

Der Pull-Quote in Playfair Display Medium Italic ist eines der wirkungsvollsten typografischen Instrumente im editorialen Design. Die geschwungenen Kursiv-Formen erzeugen Bewegung — das Zitat scheint zu sprechen statt zu stehen. Die Mittellinie (500 statt 400) gibt dem Zitat genug Gewicht, ohne in die Schwere von Bold zu kippen.

Ideal für Seiten, auf denen Zitate aus dem Textfluss herausgenommen werden sollen — Leselisten, Interviews, Design-Reviews. Kein anderes Schrift-Format macht einen Pull-Quote wirkungsvoller.

Kontext Standard-Regel für Pull-Quotes: Playfair Display Italic 500 oder 600, Größe 28–40px, max-width 600px, border-left oder border-top in Akzentfarbe. Dieser Standard gilt für alle Design-Lab-Seiten.
Bewertung:

20 · Ressourcen

Bezug

Wo Playfair Display herkommt, wo man sie bekommt, und was man noch lesen sollte.

Google Fonts: Playfair Display und Playfair Display SC sind kostenlos unter der Open Font License verfügbar — fonts.google.com/specimen/Playfair+Display. Drei separate Familien: Display (Regular bis Black), Display SC (Kapitälchen), und Display Italic.

GitHub: github.com/clauseggers/Playfair — Claus Eggers Sørensens Repository. Offene Quelldateien, Entwicklungsgeschichte einsehbar.

Weiterführend: "The Elements of Typographic Style" von Robert Bringhurst — das Standardwerk der Typografietheorie, unverzichtbar. "Thinking with Type" von Ellen Lupton — zugänglicher, mit starkem Layout-Fokus. Für die Geschichte des Hochkontrast-Stils: Artikel über John Baskerville und Giambattista Bodoni.

Kontext Playfair Display ist eine der wenigen kostenlosen Schriften, die im editorialen Kontext mit kostenpflichtigen Premium-Fonts konkurriert. Wer elegante, redaktionelle Webseiten baut, kommt an ihr kaum vorbei.
Bewertung: